Mit Prof. Dr. Christian Bauer auf der Suche nach Orten, wo Kirche ist – aber anders:„Die Kirche der Zukunft wird wieder in ein Wohnzimmer passen“

„Kirche, aber anders? Erkundungen im Land der Zukunft“ – so lautete der Titel des Workshops mit Prof. Dr. Christian Bauer, dem Inhaber des Lehrstuhls für Pastoraltheologie und Homiletik an der Universität Münster. Gemeinsam überlegte die bunt gewürfelte Gruppe aus ehrenamtlich Engagierten und pastoralen Mitarbeitenden, was an Kirche „hinüber“ ist, also unwiederbringlich verloren, und was sie gerne hinüberretten würde (über den Berg, ans andere Ufer).
Was „explorative Theologie“ bedeutet, durften die Teilnehmenden eigenhändig austesten. Bauer schickte sie ausgerüstet mit Smartphones zum Dokumentieren, wachen Augen und offenen Ohren auf Erkundungstour durch die Nürnberger City. Sie sollten nach Spuren Gottes suchen – insbesondere dort, wo diese für gewöhnlich nicht zu erwarten sind. In lebhaftem Austausch erzählten sich die Workshopteilnehmenden anschließend gegenseitig ihre Erlebnisse: die eine hatte Gott im Vogelgezwitscher inmitten des samstäglichen Großstadtlärms wahrgenommen, der andere entdeckte Gott in einer Frau, die einem weinenden Kind und seiner aufgelösten Mutter spontan ein Stück Brot schenkte.
Prof. Bauer gab zudem Einblicke in sein Projekt „Konversionsflächen. Kirche bekehrt sich auf urbanem Neuland“ (https://konversionsflaechen.net/) und stellte Orte vor, an denen Kirche in neuer, experimenteller Form präsent ist. So reiste er mit den Teilnehmenden gedanklich nach St. Maria in Stuttgart – einer zu groß gewordenen, gering besuchten Kirche mit finanziellen Problemen, die durch den Aufruf „Wir haben eine Kirche. Haben Sie eine Idee?“ wieder mit Leben gefüllt wurde. Heute bietet sie basierend auf den Ideen der Bürgerinnen und Bürger und zahlreichen Kooperationen ein vielfältiges soziales und kulturelles Programm. Ein Silent-Tango-Abend und Haarschnitte für Wohnungslose finden darin ebenso Platz wie interreligiöse Vesperkirchen, Kunstinstallationen und Theateraufführungen. Sogar ein Trampolin stand schon mitten im Kirchenschiff.
Prof. Bauer zeigte außerdem die „Kirche auf Franklin“ in Mannheim, eine Bauwagenkirche im neugegründeten Stadtteil, der ehemals amerikanisches Militärgelände war. Ein Beispiel für eine Kirche ohne eigene Räume kam aus Würzburg: Der eingetragene Verein „Kirche am Hubland“ umfasst verschiedenste Konfessionen und bereichert das Zusammenleben im Stadtteil Hubland durch vielfältige Aktivitäten und Kooperationen, z.B. Picknick-Gottesdienste, Kamishibai-Nachmittage in der Stadtteilbibliothek, Grillabende, Segensfeiern für Haustiere oder Morgenmeditationen.
Im Blick auf die Gesamtheit der von Bauer betrachteten „Konversionsflächen“ stellte dieser die These auf: Es werde in Zukunft keine Kirche ohne Sofa, Kaffeemaschine, Bibel und Altar geben (in diesen Gegenständen drückten sich die Grundvollzüge von Kirche aus: Gemeinschaft, Dienst am Nächsten, Verkündigung und Gottesdienst). Bauer ist überzeugt, dass die Kirche der Zukunft wieder in ein Wohnzimmer passen wird.
Am Ende der Veranstaltung mussten die Teilnehmenden die praktische Übung „Fliegender Teppich“ bewältigen. Sechs Personen standen auf einer zum Teppich umfunktionierten Decke und sollten diese einmal komplett wenden, ohne dass eine Person hinunterfällt. Anschließend war ihre Übertragungsleistung gefordert: Wie kann die Übung in kirchlichen Transformationsprozessen helfen? Gemeinsam sei man stark, resümierten die Teilnehmenden. Man müsse klare Ziele haben, miteinander kommunizieren und es müsse jemanden geben, der die Initiative ergreife. Am wichtigsten erschien es ihnen aber, „einfach mal zu machen“ – ein gutes Stichwort für den im Erzbistum laufenden pastoralen Bistumsprozess „Entscheiden und Handeln“, der dazu anregt, zu experimentieren und sich an kreativen pastoralen Ideen auszuprobieren.
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