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Salesianerpater Rudolf Lunkenbein:Ein Hoffnungsträger aus Oberfranken

Pater Lunkenbein (links) und Simão Bororo
Datum:
Veröffentlicht: 14.7.26
Von:
Christian Ganser / Leben im Erzbistum Bamberg

1939 im fränkischen Döringstadt geboren, äußerte Lunkenbein schon als kleiner Junge den Wunsch, Priester zu werden. Nachdem er sich der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos angeschlossen hatte, führte ihn sein Noviziat bereits im Alter von 19 Jahren nach Brasilien in die Nähe von São Paulo und an seine spätere Wirkungsstätte, die Missionsstation von Merúri im Bundesstaat Mato Grosso.

Nach einigen Jahren in Deutschland, in denen er sein Theologiestudium beendete und zum Priester geweiht wurde, kehrte er 1970 nach Merúri zurück, um sich dort voll und ganz dem Schutz der indigenen Bororo zu widmen. Diese waren konfrontiert mit Landraub und der Einschränkung ihrer Lebensrechte. Lunkenbein lernte ihre Sprache und wurde in den Stamm aufgenommen. Er brachte den Bororo neue Hoffnung – durch den katholischen Glauben, in dessen Liturgie er traditionelle Elemente der Kultur vor Ort aufnahm, aber auch durch ganz praktische Maßnahmen. Dazu gehörte unter anderem die Initiierung einer Landvermessung, die verhindern sollte, dass weiße Großsiedler das Siedlungsgebiet der Bororo nach und nach annektierten und ihnen dadurch die Lebensgrundlage nahmen.

Bereits im Mai 1976 zeichnete sich Gefahr ab. In einem Brief an seine Eltern warnte Lunkenbein, dass die Lage eskalieren könnte: „In diesen Tagen kann es dann sein, dass es zu Schüssen kommt, einige haben schon gedroht.“ Nur wenig später bestätigte sich seine Vorahnung. Am 15. Juli 1976 fuhren rund 60 Großgrundbesitzer nach Merúri, um gegen die Landvermessungen zu protestieren. In einem Gemenge wurden Pater Lunkenbein sowie der indigene Simão Bororo erschossen. Lunkenbein ist wegen seines unermüdlichen Einsatzes für die Rechte der Indigenen zum Märtyrer geworden.

Vier Jahrzehnte nach seiner Ermordung wurde 2016 ein Seligsprechungsverfahren für Pater Lunkenbein eingeleitet. Auf Initiative des damaligen Bischofs von Barra do Garças, Protógenes José Luft, wird seitdem systematisch untersucht, wie der gebürtige Oberfranke sein Leben geführt hat, welchen Ruf er unter den Gläubigen genießt und ob sich auf seine Fürsprache Wunder zurückführen lassen. Auch für Simão Bororo läuft ein Seligsprechungsverfahren. Nachdem die theologischen Berater des Dikasteriums im Vatikan die beiden Fälle positiv beurteilt haben, gelten die Verfahren mittlerweile als äußerst aussichtsreich.

Infokasten

Pater Lunkenbein war ein leidenschaftlicher und tatkräftiger Glaubenszeuge. Durch seinen Einsatz gab er den Bororo eine Perspektive für die Zukunft und sorgte so dafür, dass sie von dem Plan absahen, keine Nachkommen mehr zu zeugen und ihren Stamm langsam aussterben zu lassen. Er bewegte mit dem, was er tat, und in seinem Wirkungskreis die Welt.

Auch heute, 50 Jahre nach dem Martyrium Lunkenbeins, ist jede und jeder aufgerufen, die Welt zumindest ein kleines Stück zu bewegen. Aus diesem Grund hat Erzbischof Herwig Gössl für das Jahr 2026 das Bistumsmotto „Du bewegst die Welt“ gewählt. Dieses Motto wird im Erzbistum mit verschiedenen Aktionen umgesetzt. Unter anderem wird ein Schulwettbewerb veranstaltet, bei dem sich Schülerinnen und Schüler auf kreative Weise mit dem Leben und Wirken von Pater Lunkenbein auseinandersetzen sollen. Auch eine Begegnung findet statt: Zum Heinrichsfest (9.–12. Juli) wird eine Gruppe Gläubiger aus Merúri erwartet, die anschließend gemeinsam mit einer Delegation aus dem Erzbistum Bamberg zurück in ihre Heimat reist. Weitere Informationen gibt es unter: www.dubewegstdiewelt.de 

Stimmen zu Lunkenbeins Leben und Wirken

"Viele Gründe sprechen meines Erachtens dafür, in Pater Lunkenbein einen Märtyrer des Glaubens zu sehen, der ein Vorbild vor allem für junge Menschen unserer Zeit sein kann: seine Opferbereitschaft, sein unermüdlicher Einsatz für die Glaubensverbreitung sowie für die Verbesserung der Lebensbedingungen der ihm anvertrauten Menschen sowie sein Einsatz für die Landrechte der Bororos." - Herwig Gössl, Erzbischof von Bamberg

"Pater Lunkenbein wollte nicht zum Volk der Bororo kommen und ihnen von oben herab erklären, was „richtig“ ist. Er hat sich auf sie eingelassen und wollte ihnen auf Augenhöhe begegnen. Deshalb hat er sofort ihre Sprache gelernt und ihnen praktische Hilfen angeboten. Die von ihm veranlasste Landvermessung zum Beispiel gab den Bororo konkrete Hoffnung und neuen Lebensmut." - Michael Kleiner, Leiter der Stabsstelle Weltkirche im Erzbistum Bamberg

"Für uns ist das der Onkel Rudi, nicht der Pater Rudolf Lunkenbein. Die Erlebnisse mit ihm haben mich sehr geprägt. In der Kindheit habe ich ihn kennengelernt, damals war er nochmal ein halbes Jahr in seinem Elternhaus. Er war ein richtiger Onkel zum Anpacken und ist für uns auch gleich ein Heiliger gewesen – unser Fürsprecher bei Gott." - Maria Klaus, Nichte von Rudolf Lunkenbein

"Mir macht Hoffnung, dass die Kirche überall auf der Welt ist. Da, wo staatliche Strukturen vollkommen versagen, ist sie oft das Einzige, worauf sich Menschen verlassen können. Nächstenliebe ist dann nicht nur ein Projekt,  sondern sie wird gelebt – mit Haut und Haaren. Genau das hat Pater Lunkenbein getan." - Dirk Bingener, Pfarrer und Präsident von missio Aachen

"Aus theologischer Sicht war Pater Lunkenbein ein Vorreiter der Inkulturation. Das bedeutet, er hat den indigenen Menschen seinen Glauben nicht einfach aufgedrückt, sondern gemeinsam mit ihnen nach Gottes Spuren in ihrer eigenen Geschichte gesucht. Er hat zum Beispiel versucht, Erzählungen und Mythen der Bororo theologisch zu deuten, und hat diese auch in seine Gottesdienste und die katho- lische Liturgie übertragen." - Dr. Norbert Jung, Bamberger Domkapitular und Kirchenhistoriker

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